Nachtrag zum Brief des Bürgermeisters Dezember 2021

 

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Bentwisch,

kurz nach Veröffentlichung des Dezember Amtsblattes erhielt ich folgende Mail aus unserer Nachbarschaft, über die ich mich wahnsinnig gefreut habe:

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Krüger,

ich habe mit Spannung den Gemeindebrief zum Jahresabschluss erwartet. Als ich dann Ihre Zeilen gelesen habe, war ich enttäuscht.

Sie beschreiben in Ihren Zeilen die einzigen zwei Ereignisse, die Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit als Bedrohung empfunden haben. Erstaunlicherweise taucht der Begriff Corona in Ihrer Aufzählung gar nicht auf. Das finde ich bemerkenswert.

Ich arbeite in einem Krankenhaus und sehe die Erkrankung und das, was sie mit den Menschen macht jeden Tag. Ich betrete mit Schutzanzug, FFP3-Maske sowie Gesichtsschild das Patientenzimmer. Nach 5 Minuten bin ich komplett durchgeschwitzt, muss aber mindestens noch 30 Minuten durchhalten. So lange dauert es nämlich, wenn 4 Pflegekräfte und Ärzte einen Patienten auf den Bauch lagern, damit er wieder etwas mehr Sauerstoff bekommt. Ich für meinen Teil empfinde die aktuelle Situation als sehr bedrohlich, zumal es sich bei den schweren Fällen fast ausschließlich um ungeimpfte Patienten handelt. Unsere medizinische Fürsorge gilt allen Menschen, egal wer sie sind und woher sie kommen. Es macht uns jedes Mal unglaublich traurig, einen weiteren ungeimpften Menschen an dieser Erkrankung sterben zu sehen.

Daher hätte ich mir von Ihnen, als unser Bürgermeister, einen Aufruf zum Impfen gewünscht, so wie es die Bürgermeisterin von Rövershagen mutig getan hat.

Bei allem Respekt, aber auf illegal abgeladenem Grünschnitt sollte im Moment nicht unser Hauptaugenmerk liegen. Stattdessen sollten wir zum Wohle der Gemeinde versuchen, so viele Mitbürger wie möglich zum Impfen zu überzeugen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles erdenklich Gute, frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr.“

 

Dieser Brief gab mir den Anlass miteinander zu telefonieren und ich konnte ihm und seinen Kollegen meine Dankbarkeit nahebringen für das, was auf den Intensivstationen geleistet wird. Es ist doch nochmal etwas anderes, wenn man persönlich angeschrieben wird und weiß, unter den eigenen Nachbarn sind genau diejenigen die das Gesundheitssystem am Laufen halten. Und es wäre auch in Ordnung für ihn, wenn ich seine Mail hier zitiere.

Mein Bestreben als Bürgermeister ist es, ein Bürgermeister für alle zu sein. Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich Ihre Ängste, Sorgen und Verunsicherungen ernst nehme. Deshalb fiel es mir ganz persönlich schwer, zu diesem Thema im Gemeindeblatt die richtigen Worte zu finden. Ich habe versucht, an anderen Beispielen zu verdeutlichen, dass ich mir mehr Rücksichtnahme und Gemeinsinn in unserer Gemeinde wünsche. Denn hier stimme ich dem Autor o.g. Mail nämlich uneingeschränkt zu: Illegal abgelegter Grünschnitt ist tatsächlich nicht unser Hauptproblem und ich bin ihm unendlich dankbar für seinen Brief und noch mehr für die Arbeit die er mit seinem Team leistet.

Mittlerweile habe ich aber die Befürchtung, dass die vielen guten Argumente für eine Impfung eher das Gegenteil bewirken könnten. Aber wie erreicht man nun diejenigen die einfach nur Angst haben und/oder Zweifel? Mit einem Trommelfeuer an Werbung? Mit Stigmatisierung? Mit Argumentation? Mit Wut oder Unverständnis?

Das was ich in dieser Gemengelage machen kann ist, meine persönliche Haltung öffentlich zu machen: Ich kann für mich erklären, dass ich von ganzem Herzen auf das fachliche Können von Medizinern und Pharmazeuten vertraue und heil froh bin im 21. Jahrhundert zu leben, wo diese technischen und medizinischen Möglichkeiten überhaupt zur Verfügung stehen. Ich kann erklären, dass ich in Kürze meine 3. Impfung bekommen werde und dass alle meine Familienmitglieder ebenfalls vollständig geimpft sind. Corona war für mich bedrohlicher ohne meine Impfung, als jetzt, wo nur mögliche, irgendwelche unabsehbare Folgen befürchtet werden. Sofern ein Medikament gegen Krebs gefunden wird, würde ich ganz sicher nicht erst auf die Langzeitstudien warten wollen, am Montag habe ich eine liebe Freundin mit noch nicht mal 45 Jahren genau wegen dieser Krankheit verloren. Offen gestanden sind mir „die möglichen, unabsehbaren Folgen“ auch reichlich egal, sofern es dann 70 Prozent der Bevölkerung ebenso betrifft, hat diese Gesellschaft ein ganz anderes Problem.

Das Vertrauen in staatliche Institutionen habe ich nie verloren, auch wenn ich mit Absurditäten der öffentlichen Verwaltung durchaus Bände füllen könnte. Ich habe mit meinen 54 Jahren 2 Gesellschaftssysteme selbst kennengelernt, viel mit meiner Omi (103 Jahre) gesprochen und wenn ich heute so in die Welt blicke, bin ich wirklich froh, in diesem Land zu leben, auch wenn es nicht perfekt ist.

Herzliche Grüße

Ihr/Euer Andreas Krüger

Auch diese Artikel könnten für Sie interessant sein:

Gemeindevertretersitzung am 13. Januar in Bentwisch

Am Donnerstag, den 13. Januar 2022 findet um 19 Uhr die nächste Gemeindevertretersitzung statt. Die Sitzung findet ausschließlich online statt.

Befragung ÖPNV Amtsbereich Rostocker Heide

Wie macht der Ausbau des Bus- oder Bahnverkehrs Sinn? Ist der Bau einer Park and Ride Fläche am Bahnhof Bentwisch eine gute Möglichkeit? Welche Anforderungen haben Sie an den ÖPNV um ihn mehr zu nutzen? Diese Themen wollen wir in der nachstehenden Befragung klären.

Absage des Dezember-Programms in Bentwisch & Klein Kussewitz

Die geplanten Veranstaltungen für Dezember des ASB Treffs Bentwisch und für das Dorfgemeinschaftshaus in Klein Kussewitz, müssen leider mit sofortiger Wirkung wegen der verschärften Corona-Regeln abgesagt werden.