Positionierung der Gemeindevertretung Bentwisch zur derzeitigen Situation und den aktuellen Planungen im Bereich des ÖPNV in Bentwisch und Umgebung / Februar 2020

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Lage und bestehende Verbindungen

Die Gemeinde Bentwisch ist als Umlandgemeinde der Hansestadt Rostock gekennzeichnet einerseits von Nähe zur städtischen Infrastruktur und andererseits von ländlichem, dörflichem Raum.
Sie ist aufgrund dieser geografischen Lage einem erheblichen Verkehrsdruck ausgesetzt; nach jüngsten Erhebungen des Straßenbauamtes Stralsund durchqueren täglich ca. 32.000 Fahrzeuge das Gemeindegebiet. Bezogen auf unser Gewerbegebiet und das Einkaufszentrum ist ein erheblicher Einpendelverkehr auch aus der Hansestadt Rostock festzustellen.
Die Gemeinde Bentwisch hält es für nicht mehr zeitgemäß, dass die Nahverkehrsbetriebe der Hansestadt Rostock und des Landkreises Rostock getrennt geführt werden. Es ist unserem Erachten nach unsinnig , dass die Busverbindungen im Landkreis zumeist nur die Verknüpfungshaltestellen in Rostock anfahren. Die Zonierung in der derzeitigen Form stellt eine Unverhältnismäßigkeit in Anbetracht der tatsächlichen Entfernungen, z. B. zwischen Dierkow und Bentwisch dar.

In unserem Gemeindegebiet bestehen folgende Nahverkehrsanbindungen:

Deutsche Bahn
Der Bahnhof in Bentwisch liegt an der Bahnstrecke Rostock-Stralsund. Die Ortslage Bentwisch ist über die Zugverbindungen zwischen Rostock und GraalMüritz sowie den Personenverkehr Rostock - Ribnitz-Damgarten angebunden. Eine Verbindung besteht etwa im Stundentakt. Der nächste Bahnhof Richtung
Rostock ist der Haltepunkt Kassebohm; Knotenpunkt zum Umsteigen in den  ÖPNV der Stadt wäre der Hauptbahnhof.
Eine Bahnverbindung zwischen den Wohngebieten im Nordosten der Hansestadt
Rostock und dem Gewerbegebiet besteht nicht.

Busverbindungen
Der Rebus 118 verbindet den Bahnhof Bentwisch mit dem Umsteigeknoten Dierkower Kreuz. Der Rebus 112 verbindet den Bahnhof Bentwisch mit dem Umsteigeknoten Steintor 2x täglich; diese Verbindung ist die Einzige, die auch andere Ortsteile der Gemeinde anfährt.
Weitere Anbindungen der Gemeinde an den ÖPNV bestehen nicht. Unsere Ortslagen Klein Bentwisch, Häschendorf Ausbau (zu Mönchhagen gehörend) und große Teile der Bebauung in der Straße Am Berg sind faktisch ohne Anbindung an den ÖPNV.

Anbindungen über den nordwestlichen Bereich der Ortslage Bentwisch

In Bezug auf die Personenströme ist festzustellen, dass ein erheblicher Bedarf im Bereich des Gewerbegebietes Bentwisch gesehen wird, der derzeit völlig unzureichend bedient wird. Der Regionalbus 118 erschließt unseres Erachtens umständlich und in deutlich zu geringer Taktung das gesamte Gewerbegebiet. Er ist mehr orientiert auf die Anbindung des Umlandes an die Stadt, weniger
an der Aufnahme von Personenströmen in Richtung Hanse Center. Kein Dierkower wird zunächst zum Dierkower Kreuz fahren, um dort den Rebus zu besteigen, eine Zonengrenze zu überfahren und den gleichen Rückweg auf sich zu nehmen. Die Rostocker, die das Hansecenter aufsuchen, nehmen das Auto. Wir schlagen vor, die Busverbindung auszubauen, mehr Haltepunkte im Stadtgebiet anzufahren und gleichzeitig die Haltestellen Bahnhof Mönchhagen, Mönchhagen Oberdorf, Volkenshagen, Klein Kussewitz, Groß Kussewitz und Abzweig Albertsdorf einzubinden; die Fahrzeit würde sich um ca. 15 - 20min verlängern, die Anbindung der Ortsteile der Gemeinde Bentwisch (und auch von Teilen der Gemeinde Mönchhagen) würde sich signifikant verbessern.

Die Gemeinde Bentwisch kommt weiterhin zu der Einschätzung, dass eine Erweiterung des Straßenbahnnetzes bis zum Gewerbegebiet Hinrichsdorf/Nienhagen unter Einbeziehung der Ortslagen Neu Bartelsdorf, Goorstorf, Neu Hinrichsdorf, Hinrichsdorf und Nienhagen sowie der Gewerbegebiete
Hanse Center, B-Plan 20, Nordex und Hinrichsdorf und ggf. des Gewerbegebietes Mönchhagen sinnvoll und zeitgemäß ist. Über die Fußgängerbrücke über die B 105 im Bereich des Baumarktes im Hanse Center besteht weiterhin die Anbindung großer Teile der Ortslage Bentwisch.
Sofern eine Anbindung an das Gemeindegebiet Mönchhagen nicht erfolgt, besteht ein interkommunales Projekt zwischen 2 Kommunen.
Nebeneffekt könnte sein, dass mit Einrichtung eines P+R Parkplatzes im Bereich des Toom Baumarktes ("Haltepunkt Bentwisch Dorf") erheblicher Einpendelverkehr in das Stadtzentrum der Hansestadt Rostock schon vor dem Autobahnknoten Rostock Ost abgefangen werden könnte. Der Knoten A19-B105 HRO Ost ist der mit Abstand am stärksten belastete Bereich der gesamten Region.

Anbindungen im südöstlichen Bereich der Ortslage Bentwisch
Ein Problem nicht nur der Gemeinde Bentwisch ist die Tatsache, dass im ländlichen Raum nicht ausreichend Nutzer vorhanden sind, um eine enge Taktung und einen wirtschaftlichen Betrieb von ÖPNV-Fahrzeugen sicherzustellen. Die Aufgabe besteht also darin, Nahverkehrssysteme zu kreieren, die genau auf diese Anforderungen zugeschnitten sind, kleine Fahrzeuge, enge Taktung, kurze Fahrzeiten.

Die Gemeinde Bentwisch initiiert daher ein Pilotprojekt auf der Strecke Haltepunkt Dierkow - Düngemittelwerk Poppendorf mit einem autonom fahrenden, schienengebundenen Nahverkehr in den ländlichen Raum:

Das in den 80er Jahren gebaute Düngemittelwerk in Poppendorf wurde seinerzeit mit einer Schienenverbindung angebunden, welche noch heute 3 - 4 x täglich als Werksgleis genutzt wird. Die ehemals bestehende S-Bahn -Verbindung wurde eingestellt, so dass sämtlicher Berufsverkehr des Werkes (von den Mitarbeitern aus Poppendorf einmal abgesehen) durch die Ortslage Bentwisch und ihren Ortsteil Groß Kussewitz führt. Fürden wirtschaftlichen Betrieb reichen die Passagierzahlen auch hier offensichtlich nicht aus; insofern verlagert sich der Verkehr auf die Straße. Die Busverbindung nach Poppendorf ist genau wie bei uns ausgesprochen spärlich angelegt.

Die Gemeinde Bentwisch schlägt vor, eine Machbarkeitsstudie zur Einrichtung eines autonom fahrenden Schienenfahrzeuges in Auftrag zu geben, welche die Erschließung der gleisnahen Gebiete, die Verknüpfung in den ÖPNV der Hansestadt Rostock und den Anschluss an den Bahnverkehr Rostock Stralsund untersuchen soll. Die Gemeinde Bentwisch hat dieses Projekt bereits zur Aufnahme in den Strategiefond des Landes MV angemeldet.
Das Fahrzeug sollte ca. 10- 20 Personen Platz bieten und würde sich zunächst in Bentwisch am Bahnhof in einer Parkposition befinden.

Es soll insgesamt 10 optionale Haltepunkte geben:

  • HP Dierkow (ehem. S-Bahn Haltepunkt) Anbindung HRO, Verknüpfungspunkt(HRO)
  • Bentwisch - Klein Bartelsdorf - Wiesenweg (Gmde. Bentwisch)
  • Bentwisch - Bahnhof (Gmde. Bentwisch)
  • Bentwisch - Am Berg (Gmde. Bentwisch)
  • Klein Bentwisch (Gmde. Bentwisch)
  • Häschendorf Ausbau (Gmde. Mönchhagen)
  • Klein Kussewitz (Gmde. Bentwisch)
  • Ausstieg Volkenshagen (Gmde. Bentwisch)
  • Ausstieg Poppendorf Dorf (Gmde. Poppendorf)
  • Poppendorf Werk (Gmde. Poppendorf)

Die Gesamtstrecke beträgt ca. 9,5 km. Das Fahrzeug fährt ohne Fahrplan.
Nutzer rufen das Fahrzeug über eine Mobilfunk App. Sie dient gleichzeitig der Identifizierung, der Bezahlung und der Fahrzeuginformation. Im Grunde entspricht die Anforderung der eines Fahrstuhles in Gebäuden, nur eben nicht per Tableau.
Mit der Anforderung setzt sich das Fahrzeug selbstständig zum gewünschten Haltepunkt in Bewegung und erreicht diesen nach einer Fahrzeit von ca. 5 - 10min. Sollten Vorrangfahrzeuge auf dem Werksgleis oder der Bahnstrecke HRO- HST die Fahrzeit verzögern, wird diese Fahrzeuginformation an den Besteller übermittelt. Sollte das Passagieraufkommen doch höher ausfallen als erwartet, unterwirft sich das Fahrzeug automatisch einem Fahrplan - mit entsprechender Mitteilung an die Besteller; bleiben Passagiere aus, fährt das Fahrzeug in die Parkposition zum Bahnhof Bentwisch und verbleibt dort im
.Anforderunqsrnodus".

Die Machbarkeitsstudie soll:

  • die technische Machbarkeit einer solchen Verkehrsverbindung untersuchen,
  • den Investitionsbedarf ermitteln,
  • die rechtlichen Rahmenbedingungen aufzeigen,
  • eine Betreiberkonzeption entwickeln,
  • Sicherheitsaspekte beleuchten und Wirtschaftlichkeitsberechnungen enthalten sowie
  • die Leistungsbeschreibung zur Ausschreibung von Planungsleistungenfür das Fahrzeug, wie auch die baulichen und technischen Anlagenentlang der Strecke formulieren.

Dieses Projekt verbindet 4 Kommunen. Der Erkenntnisgewinn einer solchen Teststrecke könnte bei einer ähnlichen Konzipierung von Strecken nach GraalMüritz, zum Erdbeerhof, zum Überseehafen oder landesweit an zu wenig oder nicht wirtschaftlich befahrenen Strecken genutzt werden. Es gibt praktisch keine Leerfahrten, die Versorgung steht 24 h täglich an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung.

Für die Ortslagen Albertsdorf, Harmstorf und Groß Kussewitz wäre eine solche Anbindung auf Schienenweg nicht möglich. Die Zielrichtung hier soll sein, einen .Kreispendler" in ähnlicher Form als straßengebundenes, selbstfahrendes Fahrzeug zu entwickeln. Auch hier bietet sich die Gemeinde Bentwisch als Pilotprojekt für eine Teststrecke an. Als Sofortmaßnahme streben wir die Erhöhung der Taktung der Rebus-Linie 112 und eine Anbindung an den Haltepunkt Dierkow an.

Ihr

 

Andreas Krüger

Bürgermeister Bentwisch

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